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500 LandInitiativen 

Ein Projekt, gefördert vom Bundesamt für Ernährung und Landwirtschaft, das Schule machen sollte!

Sharan

Foto: Rainer Höke

Die Mobilität der Flüchtlinge und die damit verbundene Selbstständigkeit und Unabhängigkeit war und ist ein zentrales Thema des Arbeitskreises Asyl PrO. Seit Bestehen der privaten Initiative in Pr. Oldendorf kümmern sich Ehrenamtliche in einer Fahrradwerkstatt darum, dass alle im Stadtgebiet lebenden Asylbewerber ein verkehrssicheres Fahrrad zur Verfügung haben. Das ist gut und richtig so. Viele der Flüchtlinge erledigen mit dem Fahrrad alle Einkäufe in Pr. Oldendorf, Arztbesuche und Behördengänge.

Und dennoch sind einige doch recht eingeschränkt in ihrem Bewegungsradius. Der Integrationskurs in Espelkamp, die Ausländerbehörde in Minden oder ein Praktikumsplatz über die Stadtgrenze hinaus sind oftmals eben nicht mehr mit dem Fahrrad zu erreichen. In solchen Fällen hilft der Arbeitskreis Asyl PrO mit Fahrdiensten durch ehrenamtliche Mitarbeiter. So kann es schon mal vorkommen, dass ein Flüchtling, der endlich einen langersehnten Praktikumsplatz beispielsweise in Levern bekommen hat, drei Wochen lang täglich von einem Ehrenamtlichen dorthin gefahren wird. Das ist kein Einzelfall und weder für die Ehrenamtlichen noch für den jeweiligen Flüchtling angenehm. So sehr auf Hilfe angewiesen zu sein, beschämt und deprimiert. Aber was tun, wenn der öffentliche Nahverkehr nicht ausreichend ausgebaut ist, wie es in den entlegeneren Stadtteilen von Pr. Oldendorf vorkommt? Oder in den Ferien oder einfach am Wochenende, wenn Busse nur eingeschränkt fahren?

Der Arbeitskreis Asyl PrO hofft, dass sich diese Situation nun deutlich verbessern wird. Durch die Förderung des Bundesamts für Ernährung und Landwirtschaft, Gelder aus dem AK Asyl PrO Spendenkonto und dem Einsatz vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter steht ab sofort allen bedürftigen Bürger der Stadt, Einheimischen wie Flüchtlingen, ein Auto und damit eine Transportmöglichkeit zur
Verfügung, und kann nun genutzt werden. Wer will spendet einen symbolischen Euro. Die Idee „Wir machen mobil – Bürger fahren Bürger“ soll für alle eine Option werden, die mit den öffentlichen Nahverkehrsmitteln nur sehr schwer oder gar nicht ans Ziel gelangen und sich kein Taxi leisten können. Das Mobilitätskonzept ist eine Kooperation von Arbeitskreis Asyl PrO und dem Verein „Wir
im Eggetal“, richtet sich aber ausdrücklich an die Bürger aus allen Pr. Oldendorfer Stadtteilen. Die Fördermittel aus dem Projekt 500 LandInitiativen Baustein Mobilität sind bewilligt und gezahlt, das Auto steht bereit, jetzt kann und soll das Angebot genutzt werden. Wer Fahrwünsche hat und in Pr. Oldendorf wohnt, meldet diese unter der Telefonnummer 0151/15717844 oder im Netz unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! an. Dort werden die Termine koordiniert.

Bisher hat der Arbeitskreis drei ehrenamtliche Fahrer aus den Reihen der Flüchtlinge gewinnen können. Sie haben bereits in ihrem Heimatland einen Führerschein besessen und in den letzten Wochen ihre Fahrtüchtigkeit in Theorie und Praxis auf europäischen Stand gebracht. Es werden aber dringend noch weitere Fahrer gesucht, die sich an diesem ganz besonderen Projekt beteiligen wollen. Der Baustein Mobilität ist lediglich ein Teil der geförderten Maßnahmen, die der Arbeitskreis Asyl PrO auf den Weg gebracht hat. Der andere Baustein Lebenshilfe umfasst Kennenlernen und Verwendung von heimischen Lebensmitteln mit Vorträgen zum Thema Ernährung und mehrere Koch- und Backnachmittage, sowie Besuchen auf dem Wochenmarkt und Besichtigung von Obsthof und Direktvermarktung. Der Kurs Schwimmen für Frauen ist nach 10 Abenden erfolgreich beendet, ein weiterer Kurs wird voraussichtlich Ende Januar angeboten. Ein Nähkurs ist für das Frühjahr geplant. Der Termin wird noch bekannt gegeben. Zu den Angeboten aus dem Baustein Lebenshilfe sind im Übrigen auch alle einheimischen Bürgerinnen aus Pr. Oldendorf herzlich eingeladen.

Beate Heitmeyer, im Dez. 2017